Dienstag, 27. Februar 2007

Schach im Busch


Gerade als ich mich damit abfinden wollte mit dem Bus zu reisen und auf die abgelegenen Orte der Westküste zu verzichten, haben meine guten Reisegeister wieder mal mächtig zugeschlagen...
An der Steckwand fand ich ein Inserat, das genausogut von mir hätte stammen können: Mitfahrgelegenheit in einem 4WD, Ankunft in Perth um den 20.März, ein Platz, unkomplizierte Person gesucht zum Fahrtkosten teilen. Natürlich passt mir auch der Typ dahinter... er ist Deutscher (spricht aber lieber englisch), studiert Physik und Philosophie, raucht und trinkt nicht. Gestern habe ich ihn gefragt ob er Schach spielt, worauf er nach kurzer Verblüffungspause meinte er wollte mich das Gleiche fragen, hat er doch ein Brett gekauft und noch nie benutzt... na wenn das mal nicht lustig wird! Ach ja, und damit es auch noch so richtig schön beängstigend wird, offenbar sehen wir auch noch ähnlich aus (nicht unbedingt unsere eigene Meinung), an einem Tag wurden wir drei Mal gefragt ob wir Brüder seien.
Die nächsten drei Wochen verbringen wir also im Busch und an einsamen Stränden, Stadtbesuche werden selten sein und damit möglicherweise auch meine Einträge hier. Rechnet aber schon mal damit, dass es mir gut geht! :)

p.s. einige Bilder bei Broome hinzugefügt.

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Montag, 19. Februar 2007

Broome


Als ich an Broome's Flughafen spätabends aus dem Flieger gestiegen bin, habe ich einen Moment gedacht, ich müsse nun doch ertrinken. Eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit begrüsste mich mit einer herzlichen Umarmung, und liess mich so schnell nicht wieder los. Die Temperaturen bewegen sich bei Tag und Nacht so zwischen 28 und 37 Grad, und ich stelle einmal mehr fest, dass mir das tropische Wetter unglaublich gut gefällt. Seltsam aber, wie schnell sich einige Sachen ändern, zum Beispiel ist es plötzlich ein (nicht vorhandener) Luxus kaltes Wasser in der Dusche zu haben...
Mein Gepäck war beim Zwischenstopp in Perth aus dem Flieger gestiegen anstatt drin zu bleiben... am nächsten Tag hat es dann glücklicherweise den Weg zu mir gefunden.
Der erste Einwohner Broomes, mit dem ich gesprochen habe war ein 53jähriger Aussteiger am Busstop, der seine Frühpension dazu verwendet, jede Nacht so besoffen wie möglich zu werden (seine Worte). Er erklärte mir, dass Broome die 'letzte Grenze' der Zivilisation sei, wo man einander noch vertrauen kann und auf der Strasse auch mal gegrüsst wird... und wenn Broome erwachsen werde, gäbe es keinen Ort mehr, an dem er noch hin könne. Sein Wortschatz beschränkte sich im Wesentlichen auf drei Fluchwörter, mit denen er aber phänomenal viel ausdrücken konnte. Ausserdem hat er mir mit Inbrunst versichert, dass mich meine Eltern angelogen hätten und ich nie und nimmer Schweizer sei. Ich solle mich mal im Spiegel betrachten, ich sei Spanier, Latino. Also Latinos, das sind die Leute aus äh... Frankreich, Italien, Spanien und Portugal.
Broome ist ein Traum, vom Wetter über den Strand zu den Sternen und den Tieren. Am ersten Abend habe ich meine ersten wilden Känguruhs und eine riesige Wildkatze gesehen (ich wollte ja weglaufen, aber sie hatte noch mehr Angst vor mir). Daneben finden sich Fledermäuse, Frösche, Eidechsen, Krabben und Krebse (welche den Sand durchkauen und als hunderte kleine Kügelchen zurücklassen).
Baden kann man leider nicht gut im Meer, weil in dieser Jahreszeit noch das Risiko besteht auf die in vielen Fällen tödlichen box jellyfishes (Quallen) zu stossen, zudem ist das Wasser so warm, dass es keine Abkühlung bringt.
Die Sonne geht über dem Meer unter, und wie...
Ich bin jetzt seit einer Woche hier, war in einer Krokodilsfarm (naja), vor allem aber am Strand und im Pool, habe viele nette Leute getroffen und fühle mich wunderbar.
Wie's weitergeht steht immer noch nicht fest, die Chance ist aber gross, dass ich per Bus die Küste herunter gondeln werde.
Bilder aus Broome hier.

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Mittwoch, 7. Februar 2007

Howdy mates


"Somebody wants kangaroo sausage?" Von der Neugierde leichtsinnig gemacht, habe ich mich von dem kochenden Franzosen zu einem Bissen Känguruhwurst bewegen lassen und dieses vollumfänglich bereut, yak. Ansonsten bin ich aber mit dem australischen Food bisher sehr zufrieden... verantwortlich dafür sind allerdings mehr die - wie schon in Neuseeland - unglaublich zahlreich vertretenen Asiaten mit ihren grandiosen Take Aways. Meine Theorie dazu ist ja, dass unter der Führung der Chinesen eine versteckte Übernahme stattfindet und der Kontinent in 20 Jahren Südliches Südasien heisst.
Gestern bin ich dank einem geschenkten Buspass von einem kanadischen Ehepaar (das inzwischen mit meinem Lonely Planet nach Neuseeland abgehauen ist, weil's ihnen zu heiss war, tssss..) in ganz Sydney herumgefahren. Watsons Bay, Bondi Beach, die meiste Zeit habe ich aber am feinen Coogee Beach verbracht und mich von der Brandung in Saltos und Überschläge drehen lassen, hui. Danach hatte ich Sand in den Ohren und kein Haarbändeli mehr.
Angestachelt von den workout-verrückten Sydneyanern (eigentlich heissen sie Sydneysider) und ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen habe ich endlich ein bisschen Sport getrieben, so war ich Schwimmen (in einem Freibad, dessen Wasser sich nicht entscheiden konnte ob es salzig oder süss sein will) und einmal sogar Joggen. Das beste war allerdings zum ersten Mal seit 8 Jahren wieder ein Tennisracket in die Hand zu nehmen, schon nur auf dem Platz zu stehen liess mir einen Schauer über den Rücken laufen. Einige Bälle habe ich sogar getroffen, und diesen Sonntag gehe ich Doppel spielen im Sonntagsnachmittagssocialtennis. Wenn ich heimkomme nehme ich dann Yves auseinander, das habe ich ja schon lange versprochen.
Zwei Wochen in Sydney sind im Saus vergangen und ich fliege am Montag direkt weiter ans andere Ende des Kontinents, nach Broome an der Westküste. Das könnte etwas nass werden weil Regensaison, und die Luftfeuchtigkeit liegt manchmal nahe bei 100%. Nein, keine Angst, dabei ertrinkt man nicht.
Zum Ende noch etwas Länderkunde. Haaalt es wird weitergelesen!!;) Man betrachte die australische Flagge.


Nachdem sie mir ein paar Mal vor der Nase geflattert ist habe ich gesehen, dass darauf das Sternbild "Kreuz des Südens" (die 5 Sterne rechts) weht. Das "Southern Cross" ist nur von der Südhalbkugel aus sichtbar, ich habe es auch zum ersten Mal in Argentinien live gesehen. Was ich mir nicht erklären konnte war der 7-strahlige Stern unter dem Union Jack (der UK-Flagge). Das allwissende Internet hat mich schlauer gemacht, dieser Stern wird Commonwealth Star oder Federation Star genannt, seine Strahlen stehen für die ursprünglich sechs Bundesstaaten Australiens (Western Australia, South Australia, Queensland, Victoria, New South Wales, Tasmania), der siebente für die Territorien (Australian Capital Territory, Northern Territory). Wer noch ein wenig weiter gehen will darf sich die Karte anschauen und auswendig lernen. Ach ja, und ich vermisse das Schule geben nur ein bisschen, also keine komischen Interpretationen!;).


p.s. einige Bilder von Sydney hinzugefügt

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