Für eine Woche habe ich in Christchurch das etwas stationärere Leben gepflegt, mich von den Acts des grössten Busker(=Strassenkünstler)- Festivals der südlichen Hemisphäre zum Lachen bringen lassen, in der Bibliothek mein Hirn gefüttert, mich über Federers Tennis gefreut, Cricket geschaut und endlich verstanden, und vergeblich versucht mein Auto zu verkaufen. Letzteres hat mir zwischenzeitlich ziemlich die Laune verdorben, das Auto steht aber jetzt in einem Auktionshaus, wo es hoffentlich über kurz oder lang unter den Hammer (im übtertragenen Sinn) kommt.
Ich bin unsicher, ob ich mir in Australien wieder ein Auto kaufen will, im Moment fühlt es sich sehr viel besser an, alle meine Habseligkeiten auf dem Rücken tragen zu können.
Trotz der vielen schönen Momente und der fantastischen Landschaft war ich nicht unglücklich, Neuseeland zu verlassen. Vorgestern bin ich in Sydney angekommen, wo es mir bis jetzt ausgezeichnet gefällt. Die Stadt scheint sehr lebendig und geschäftig, und gibt einiges auf sein Äusseres (Bilder hier, einige von Christchurch sind auch noch reingerutscht). Im zauberhaften botanischen Garten laufen haufenweise Ibise und andere komische Vögel umher, ausserdem hängen riesige flying foxes an den Bäumen, welche ich gefragt habe, ob sie einem Fuchs das Fliegen beibringen würden (da ich nicht Auto fahren will), wurde aber nur frech angequietscht.
Mein Originalplan, nach Süden Richtung Melbourne, Adelaide, danach die Mitte hoch nach Darwin und von dort die Westküste hinunter zu fahren ist etwas ins Wanken geraten. Ich überlege mir, die Zeit in Australien zu kürzen, eventuell direkt nach Darwin zu fliegen und nur die Westküste zu bereisen, um dafür mehr Zeit in Asien zu verbringen. Wohl der Hauptgrund dafür ist der in Neuseeland entstandene Gedanke, wieso genau ich mich an einem Ort aufhalte, der mir nicht besser (als Argentinien) gefällt und - bei weniger Extravaganzen - extrem viel mehr kostet. Australien ist sogar noch ein wenig teurer, und Südostasien gefällt mir sehr (oder tat es wenigstens, vor fünf Jahren)... Ich lasse mir hier die nötige Zeit, um meine Entscheidung zu fällen und geniesse währenddessen das bessere Wetter, möglichst am Strand.
Ich habe gesehen, dass in der Schweiz inzwischen der Winter so richtig Einzug gehalten hat, ich hoffe ihr seid alle gut ausgerüstet mit Wullepullis, Chappe u Händsche, Bettfläsche u Elektroöfeli, Füürhouz und Froschtschutzmittu, Fonduemischige u Grappa, Schneebrätter oder Kurveschiis...
Mittwoch, 31. Januar 2007
Sydney
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Mich Fuchs
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Samstag, 20. Januar 2007
Free Air

Man muss sich nur laut genug beklagen - die letzten fünf Tage waren regenfrei und ich habe endlich einige Hügel in der Umgebung von Wanaka erklommen. Zuerst sind wir (Joanna war dabei) den relativ bekannten Rob Roy Path gelaufen, von dessen Ende aus man eine recht spektakuläre Sicht auf Gletschter und Wasserfälle hat. Da der Weg mitten im Hang zu Ende geht, bin ich einem Schafspfad entlang noch etwas weiter den Berg hochgerannt, habe aber die Passhöhe trotzdem nicht in nützlicher Frist erreichen können - geht mir schwer gegen den Strich, auf halber Höhe umzukehren.
Am nächsten Tag bin ich aufgebrochen, um die "Hügelkette" neben dem Zeltplatz zu erkunden... Nach vier Stunden, über 1000 Höhenmeter, einem ersten Gipfel von 1630m und einem schier endlosen Auf und Ab entlang dem Grat mit einem Hungerast erreichte ich knapp vor dem Kollaps den 1580m hohen Roy's Peak. Natürlich hätte ich mehr Wasser trinken, vorher eine Rast einlegen, Nahrung zu mir nehmen müssen. Ja eh, aber wenn's der Gring nicht zulässt...
Die zwei besten Nutellasandwiches und den besten Apfel meines Lebens später ging's mir schon besser, wagte mich jetzt auch kurz die Augen zuzumachen, und eine halbe Stunde danach begann ich mit dem nicht mehr schweren Abstieg auf einer anderen Route.
Am nächsten Tag habe ich mich, aus unerfindlichen Gründen, so wenig wie möglich bewegt und ihn am zeltplatzeigenen Pool verbracht.
Mein Auto ist ebenfalls leicht fussmüde, dem ersten Platten folgte eine gerade noch rechtzeitige Warnung, dass der eine Reifen nur noch sehr kurz zu leben hatte, die Stahlstreifen waren schon sichtbar. Ausserdem habe ich den Deckel zum Öltank verloren, und komische Quietschgeräusche gibt die liebe Karre seit neustem auch von sich... der Blinker ist repariert, allerdings wollte mir der Bossmechaniker schier an den Kragen, als ich anzumerken wagte, dass 60.- für die Blinkerabdeckung vielleicht etwas happig sind. Naja, der Hilfsmechaniker und ich blieben dafür freundlich.
Ich hatte schon seit Argentinien vor, in Queenstown einen Bungy Jump zu machen. Nachdem ich verächtlich naserümpfend den "Original"-Sprung von 43m an der Kawarau Bridge betrachtet habe bin ich zum Nevis Highwire gefahren, 134m hoch, um mich einer echten Herausforderung zu stellen ;). Schaut euch das (sorry, nach einiger Bearbeitung nicht extrem gute) Video hier an. Der Absprung selbst war nicht wirklich schwer, eine Sekunde später schlug mir das Herz aber im Hals, mit einem riesigen Adrenalinschub und der Ungläubigkeit was ich da gerade mache. Ich bin begeistert von der Erfahrung, und würde es eher wiederholen als das Paragliding. Die Infopage zum Bungy Jumping hier, wobei die 8.5 Sekunden freier Fall beim Nevis Highwire Blödsinn sind, sind vielleicht drei bis vier.
Ich gehe wohl bald nach Christchurch, um mich dem Verkauf des Autos zuzuwenden (auf der ebay-Variante Neuseelands versuche ich's schon) und eventuell ein paar Spiele des Australian Open im TV mitzukriegen.
Die gebirgige Region um Wanaka und Queenstown lassen einige Erinnerungen an die Schweiz aufkommen, und auch das Leben in Neuseeland hat einige Parallelen zur Schweiz... die meisten Sachen sind etwa gleich teuer, die Menschen leben wie auf einer Insel ;) und die Regeln einzuhalten ist sehr wichtig. Letzteres kann auch schon mal lästig sein, und heute habe ich mit leichtem Verdruss einen neuen Höhepunkt der Kontrollsucht erlebt, in einer Toilette, die auf Knopfdruck zeitlich in der Anzahl begrenzte Portionen WC-Papier spendet...
Bilder von den Wanderungen gibt es hier.
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Mich Fuchs
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03:04
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Sonntag, 14. Januar 2007
West Coast

So langsam bin ich den Regen leid - die Kiwis sprechen teilweise vom schlimmsten Sommer seit Menschengedenken, andere warten immer noch darauf, dass er wirklich beginnt. Dazu kommt, dass mein Auto in einer Ecke nicht ganz wasserdicht ist. Sobald dann der Regen etwas nachlässt, haben die #&%!! Sandflies ihren Auftritt, sie finden jede noch so kleine unbedeckte, unbesprayte Hautstelle (und sei's das Augenlid), plus ihre Bisse jucken tagelang, womit sie auf meiner Hassskala einigen Vorsprung vor den Midges in Schottland haben. Für die normalen Mücken bleibt kaum etwas übrig.
Doch kaum verziehen sich die Wolken kurz taucht daraus eine zauberhafte Umgebung auf (hier Bilder der Westküste), die einen den Regenmückenfrust vergessen lassen. Wer's noch nicht weiss - ein Grossteil der Lord of the Rings Filme wurde in Neuseeland gedreht, die Drehorte zu finden muss ein wirklich einfacher und schnell erledigter Job gewesen sein.
Im Moment bin ich zum ersten Mal seit ewig weg von der Küste, an einem See etwas in den Bergen (Lake Wanaka).
Ich habe die britischen Mädchen wiedergetroffen, Rowena ist inzwischen schon in Tasmanien und Joanna folgt ihr in ein paar Tagen nach Australien. Mein Flug nach Sydney geht am 29.1, wahrscheinlich lege ich mich dann erst mal trocknungshalber einige Tage an den Strand...
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Mich Fuchs
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03:20
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Samstag, 6. Januar 2007
East Cape bis Nelson

Die Umrundung des East Capes der Nordinsel war von der Landschaft her ein grosser Höhepunkt. Sylvester habe ich mit einigen netten Kiwis am Strand verbracht, mein Plan morgens am östlichsten Punkt den Sonnenaufgang zu verfolgen fiel allerdings meiner Müdigkeit und dem nicht sehr guten Wetter zum Opfer. Ich habe die schottischen Highlands in Neuseeland wiedergefunden, auf der Mahia Peninsula. Der Regen kommt von der Seite, und die Zelte auf dem Campingplatz waren nach einem Tag alle weggeblasen oder abgebaut. Dagegen habe ich mein Auto am windigsten Platz hingestellt und mich vom Wind in den Schlaf wiegen lassen. Bilder vom East Cape und Mahia hier.
Die Hauptstadt Wellington habe ich nur gestreift, bin aber zum ersten Mal seit Auckland wieder in einem Backpackers übernachtet. Um drei Uhr morgens hat die Türklingel sturm geläutet, und da sich offenbar sonst niemand angesprochen fühlte bin ich nach einiger Zeit aufgestanden um nachzuschauen, wer mir den Schlaf rauben will. Nachdem ich sah, dass es eine Frau war, habe ich die Türe geöffnet, was sich als Fehler herausstellte, da sie offenbar obdachlos und ziemlich durchgedreht war. Schliesslich musste ich einsehen, dass wir (inzwischen waren auch andere wach) sie nicht zum Gehen überreden konnten, und mir blieb nur übrig, sie vor die Türe zu stellen - extrem unerfreuliche Episode.
Ich habe meinen ersten kleinen Unfall gebaut, bin aber mit einigen Kratzern und einem kaputten Blinker davongekommen, gestreift habe ich in der viel zu engen Kurve des Kieswegs einen Bootsanhänger. Ich war wohl etwas zu schnell unterwegs, von daher war der Schreck bestimmt nicht ohne Sinn, habe ich doch seither wieder mehr Respekt vor der Strasse.
Im berühmten Abel Tasman National Park habe ich ein Water Taxi genommen um an einer Stelle auf dem Küstenweg abgeladen zu werden und zum Auto zurücklaufen zu können. Die Strände dort haben etwas karibisches, mit ihrem weissen Sand und dem türkisen Wasser. Einige Stellen kann man nur bei Ebbe durchqueren, so musste ich meinen Rucksack für etwa hundert Meter über meinem Kopf durch das bauchhohe Wasser tragen, war recht lustig bis auf die scharfen Muscheln unter meinen Füssen.
Bilder von der Überfahrt und dem nördlichsten Teil der Südinsel hier.
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Mich Fuchs
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04:27
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