Der "VIP" Nachtbus nach Vientiane ist für very important persons mit sehr kurzen Beinen gedacht. Die alten Platznummern verraten, dass ursprünglich nur 25 Sitze vorhanden waren, inzwischen aber jemand auf die brilliante Idee gekommen ist, das Ganze zu rationalisieren und 40 Sitze hineinzuquetschen. Da der Sitz vor mir nicht in aufrechte Position gebracht werden konnte (meine Knie widerstanden hartnäckig), erhielt ich glücklicherweise den Sitz zuhinterst mit dem Gang vor mir.
Im gebuchten Zimmer in Vientiane begrüssten mich in den ersten fünf Minuten drei Kakerlaken und sangen mir ein süsses Lied von sofort ausziehen vor. Nach eineinhalb Stunden Guesthouses sichten bin ich in einem verhältnismässig extrem teuren (16.-) Hotel gelandet, weshalb ich wie erzählt den grandiosen Federer-Nadal Match mitverfolgen konnte. Vientiane bietet nicht allzu viel, zumindest auf den ersten Blick, da hat Herman vollkommen recht.
Ein bisschen weiter im Norden befindet sich die Touristenhochburg Vang Vieng, welche vor allem mit Tubing (sich-auf-aufgeblasenen-Traktorschläuchen-den-Fluss-hinuntertreiben-lassen) glänzt. Entlang dem Fluss kann man sich von jensten Podesten schwingen und dann plumpsen lassen, ein Heidengaudi:). Viele Touris schaffen allerdings nicht die ganze Distanz (4 km) und bleiben besoffen in einer der zahlreichen Bars hängen. Ich bin gerade am Anfang vom Tubing wieder mal einer Schlange im Wasser begegnet, genau dort wo ich mich abstützen wollte, brrr...
In der Umgebung gibt es auch einige Höhlen, beeindruckend war für mich vor allem der Moment, als ich in der grössten davon (3 km lang) für einige Minuten keinen Ausgang mehr fand und gleichzeitig die Taschenlampe langsam schwächer wurde. Hinterher habe ich dann auch noch eine Schauergeschichte gehört, dass letztes Jahr einer gestorben sei in dieser Höhle. Na gut, nächstes Mal mit Führer...
Luang Prabang, noch weiter im Norden, war für lange Zeit extrem isoliert vom Rest der Welt, da keine anständige Strasse über das Kalksteingebirge vorhanden war. Inzwischen ist der Weg geteert, der Bus braucht aber bei Tempo 35km/h sieben Stunden von Vang Vieng aus. Die ungefähr 3187 Kurven führen durch eine fantastische Landschaft mit wunderbaren Aussichten, was den Trip halbwegs erträglich macht. Gemeinerweise habe ich auf halbem Weg bemerkt, dass ich meinen mp3-Player in einem Internet-Café liegen gelassen habe, und so habe ich schliesslich drei Tage in Folge auf dieser Strecke verbracht. Den Player habe ich aber unglaublicherweise zurückerhalten, und wieder einmal riesiges Glück gehabt. Die dritte Fahrt hatte es speziell in sich, da ich meine eineinhalb Sitze mit einer Laotin und ihrem Sohn teilen musste, letzterer hat sich alle dreizehn Kurven übergeben - was mich immerhin beschäftigt gehalten hat (Plastiksäcke und Taschentücher reichen, Fenster aufmachen zum Rausschmeissen (die Plastiksäcke)). Nicht zuletzt unter diesem Eindruck verzichte ich auf die etwa 36stündige Fahrt nach Vietnam und fliege lieber, nächsten Sonntag nach Hanoi.
In Laos bin ich immer wieder den gleichen Leuten (Touristen) begegnet, es gibt halt nicht extrem viele Routen, die man einschlagen kann. Das hat aber durchaus seinen Reiz, da man auch die gleichen Orte gesehen hat und so den Erzählungen sehr lebendig folgen kann.
Bilder aus dem Norden von Laos hier, zwei davon hat der Koreaner Jin geschossen. Beim Süden sind auch noch drei nicht so wichtige hinzugekommen.
Montag, 28. Mai 2007
Norden Laos
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Mich Fuchs
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Donnerstag, 17. Mai 2007
Süden Laos

Die Bewohner von Laos sehen alles was in Stress ausartet als überflüssig an. Dies hat nicht einfach zur Folge, dass jeder faul herumliegt (nur ein bisschen), sondern vor allem, dass alles mit einer gesunden Portion Gelassenheit angegangen wird. Sieht man dem breiten braunen Mekong beim talwärts fliessen zu, driftet man mit, dieser Metalität entgegen.
Auf der Strasse werde ich als Tourist ständig von Kindern angesprochen, aber nein, diesmal nicht für Geld. Das lachende "Sabaidii" wechselt sich mit dem gleichbedeutenden "Hello" ab, und wiederholt sich zum Teil bis man ausser Hörweite ist. Manchmal wollen sie auch Hände schütteln, dann natürlich nicht nur einmal. Hoffentlich bleibt diese aufrichtige überschäumende Freundlichkeit lange erhalten, und bricht nicht unter dem stärker aufkommenden Tourismus zusammen wie etwa in Thailand. Die Menschen scheinen mir, hier und auch schon in Kambodscha, sehr zugänglich, eifach zu verstehen auf eine nonverbale Art.
Es ist spannend die verblassenden Zeichen der französischen Kolonialpräsenz zu sehen, etwas wofür ich ausserdem sehr dankbar bin sind die anständigen Baguettes!
Die siebenstündige Busfahrt (für etwa 230km) von Pakse nach Savannaketh hat mich trotz buddhistisch verstärkter Ruhe ziemlich an die Grenze meiner Leidenstoleranz gebracht. Für den nächsten Abschnitt (450km in die Hauptstadt Vientiane) nehme ich den VIP Bus, mal sehen ob's hilft.
Einige Bilder aus dem Süden Laos'.
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Mich Fuchs
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14:56
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Freitag, 11. Mai 2007
Angkor

Der Grenzübergang von Thailand nach Kambodscha hat den Ruf, der unfreundlichste in Südostasien zu sein. Zudem habe ich auf dem Internet einige ziemlich abgefahrene Stories gelesen, wie die Taximafia auf kambodschanischer Seite die Touristen ausnimmt, zum Beispiel bis zu drei Mal mit Ausladen im Niemandsland zum Nachzahlen erpressen. Auf der Busreise von Bangkok zur Grenze habe ich die Schotten Ben, Mark und Esme kennengelernt, welche von all dem nichts gehört hatten.
Nachdem die Thaiseite dem zweifelhaften Ruf gerecht wurde (ich wurde schier verhaftet weil ich die Emigration Card gefaltet hatte), mussten wir vier Franken "Tea Money" bezahlen, damit wir das Kambodscha-Visa erhielten. Zu Beginn der Verhandlungen wollten sie sogar mehr als zwölf.
Wie erwartet wurden wir auch sofort in Beschlag genommen von haufenweise Typen, die uns in Taxis stecken wollten. Einige davon behaupteten für die Regierung zu arbeiten, als Massnahme gegen die ganze Abzockerei, und meinten wir sollen keinem vertrauen, der uns zu etwas dränge. Das Taxi wollten sie aber dann trotzdem für uns organisieren. Nach einer Weile habe ich ihnen die Rolle abgenommen (sie sahen auch tatsächlich ehrlicher aus als einige andere), und wir haben uns in ein Taxi setzen lassen, das uns ohne Umwege, viel zu schnell über eine teuflische Holperstrasse (man munkelt Thai Airways bezahle die Regierung in Kambodscha, damit dies auch so bleibt) nach Siam Reap (der Stadt nahe Angkor) gebracht hat.
Ein Australier und seine Gruppe, welche ich an der Grenze traf (und warnte) hatten weniger Glueck, sie kamen etwa vier Stunden spaeter an, die Direktbuse von Bangkok aus haben die Tendenz möglichst lange herumzufahren, um dann die ermüdeten Touris vor dem höchstschmierenden Hotel abzuladen.
À propos Hotel, ich hatte zum ersten Mal seit Argentinien einen TV auf dem Zimmer, hatte nicht nur gute Auswirkungen;)...
Obwohl sich das Wetter sich seit Thailand nur unwesentlich gebessert hat, war Angkor ein beeindruckendes Erlebnis. In drei Tagen habe ich längstens nicht alle Tempel erkunden können (und wollen). Die Vorstellung, dass dies vor nicht ganz tausend Jahren alles zu einer einzigen Stadt gehört hat, mit einer Million Einwohnern, ist beinahe unfassbar. Heute entsteht eine neue Stadt; Foodstalls, Souvenirstände mit Kleidern, Schnitzereien und Gemälden, zahllose Kinder die Postkarten, T-Shirts und andern Kram (Holzflöten!?) verkaufen, sowie Landminenopfer als Musiker säumen die Strassen und Wege. Im Tempelinneren ist man glücklicherweise sich selbst überlassen, mit einer Bewegungsfreiheit wie sie in Europa in historischen Bauten undenkbar wäre.
Einige Bilder von Angkor Wat & Co hier, leider hat das Licht nicht ganz mitgespielt.
Morgen reise ich in den Süden von Laos, komme aber wohl noch einmal durch Kambodscha auf dem Rückweg.
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Mich Fuchs
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16:19
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Sonntag, 6. Mai 2007
Bangkok

Das unablässig wuselnde, hektische Treiben Bangkoks, vor allem in der Backpackerhochburg rund um die Khao San Road, ist ein einziges Staunen. Es fühlt sich an, als seien alle Rucksackreisenden, Aussteiger, Abenteurer, verlorenen Seelen an diesem einen Ort zusammen gekommen, um sich unter Ihresgleichen aufzuhalten, in einer unpersönlich anonymen, geldbeutelfreundlichen Umgebung, die alles Vorstellbare bietet. Auf der Strasse kauft man ohne Probleme Raubkopien von CD's, für nicht ganz vier Franken, oder jedwede Art von gefälschtem Ausweis. Von den Strassenrändern wird man bei jedem zweiten Schritt angesprochen, Tuktuk, Taxi, Thai Massaaaage, Hey mister where do you come from? Vielfach wird einem die Hand gereicht, um dich dann freundlichst festzuhalten während du bearbeitet wirst. Anderes geht dafür gar nicht, so zum Beispiel selbst eine CD zu brennen... überall will man mir dies unfreundlichst abnehmen, um etwas mehr zu verdienen. Ich bin immer noch daran, mich irgendwo reinzuschleichen und den CD-Burner zu benutzen bevor sie's gemerkt haben. Ein Rätsel, welches mir etwas Kopfzerbrechen bereitet ist, wer all den Food aufisst, der an jeder Ecke angeboten wird... Wo die Strasse nicht mit Kleidern oder wartenden Tuktuks vollgestellt ist, findet man bestimmt eine kleine Bude mit Padthai (gebratene Nudeln) oder Curries, Fleischspiessen, Pancakes, Früchten auf Eis. Von einigen Dingen weiss ich noch nicht einmal wie's heisst, was auch nicht immer einfach herauszufinden ist, da die Schrift hier grundsätzlich kauderwelschisch ist.. Vielleicht wird der übriggebliebene Food an die Hähne verfüttert, das würde dann deren energiereich durchgedrehtes Verhalten erklären, krähen sie doch von etwa vier Uhr morgens bis kurz vor Mittag durch. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die ganzen Abgase aufs Hühnerhirn schlagen. Morgen gehe ich nach Kambodscha und Richtung Angkor Wat, ich freue mich aus der Stadt rauszukommen. Einige Bilder hier.
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Mich Fuchs
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15:57
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Dienstag, 1. Mai 2007
Penang

Besagten Inder habe ich wiedergefunden, aber nachdem dort die Grösse der Portionen und die Freundlichkeit inzwischen etwas abgenommen hatte, verbrachte ich schliesslich die meisten Mahlzeiten bei der Konkurrenz... deren Chefrausschreier (also der, der am lautesten ruft sobald ein Tourist am Restaurant vorbeiläuft) ist mir am dritten Abend in den Weg gehüpft, mir lauthals "sir, your dinner is ready!!!" entgegenheepend, und hat mich so lange weichgekocht, bis ich ihm versprochen habe am nächsten Abend nicht mehr nur vorbeizulaufen...
Die Insel Penang hatte in kolonialer Zeit eine herausragende Bedeutung, sie bildete den britischen (East India Company) Gegenpol zum holländischen Handelshafen Melaka etwas weiter südlich. Zeugnisse dieser Zeit findet man leicht zerfallend noch überall, einige Gebäude habe ich auch fotografiert (Bilder von Penang). Einmal haben mich Leute von der Unesco auf der Strasse für eine Umfrage belagert (zu siebt), ging darum, Penang zur World Heritage Area zu erklären. Ich ärgere mich immer noch, dass ich auf ihre Frage nach Verbesserungen in Georgetown nicht sofort die katastrophalen Trottoirs erwähnt habe, die von allem Möglichen und Unmöglichen vollgestapelt sind, so dass man auf den meist chaotischen Strassen laufen muss, wo sich schon Rikschas, Mopeds, Autos und Busse den Platz streitig machen. Dabei hätten sie mehr Lauben als Bern!
Am letzten Tag auf Penang bin ich mit einem 125er Scooter um die Insel gefahren und in einer 'Walderholungszone' in einem terrassierten Bach baden gegangen. Von der lokalen Dorfjugend angestachelt, habe ich mir bei einem ausgerutschten Saltoversuch die Nase blutig geschlagen, so viel zum Bild des ungeschickten Europäers:).
Der Gauner von Tankstellenwart hat mir den Tank gefüllt, nachdem ich halbvoll gesagt habe, die Gauner von der Vermietung haben sich geweigert, mir einige Ringgit für das Benzin zu geben, worauf ich auf die Gauneridee kam, den Tank per Schlauch halbleer zu machen (wahrscheinlich das erste Mal, wo ich ein Physikexperiment der Schule direkt im Alltag gebraucht habe:), das Benzin habe ich zu meinem Freund Mohamad Khan (dem Chefrausschreier) gebracht. Der liess sich von mir auch gleich noch in der Rushhour durch ganz Georgetown und wieder zurück chauffieren, dafür war das Nachtessen dann gratis, und die Milo Ice (kalte Schoggi) hatte extra viel Milch und Milo drin:).
Am heutigen regenreichen Tag bin ich in Bangkok angekommen, von wo aus ich in etwa zwei Monaten in die Schweiz zurückfliegen werde. Ich beschaffe mir hier das Visa für Vietnam und muss mich wohl langsam entscheiden, welche Route ich einschlagen will...
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Mich Fuchs
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15:52
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